DAS WEICHNACHTSESSEN
thomas hatte den ganzen tag damit verbracht, sämtliche utensilien für das weichnachtsessen zu besorgen. als ob die einkauferei zu normalen bedingugen nicht schon stressig genug war,
dauerte an heilig abend natürlich alles dreimal so lange. alle gehen nochmal einkaufen, um sicher zu gehen, nichts vergessen zu haben. letzte geschenke für familienmitglieder, die möglicherweise doch nicht so relevant waren, wurden nachgekauft. bei ihm war der grund ein anderer. er wollte, dass alles so frisch als nur irgendmöglich war. seine familie war ihm das wert. zwar war er früher das problemkind im hause, doch nach einigen erfolgen und dem stetigen aufstieg der karriereleiter, hatten sich die wogen geglättet. seine familie war nun stolz auf ihn. sie liebten ihn. liebte er sie auch? er vermutete, dass es so war. als er gerade 17 war, und sein vater ihn in der garage beim kiffen erwischt hatte, betonte dieser, dass er die schande der familie sei, und dass es etwas derartiges niemals zuvor bei den seiferts gegeben hatte. das war sein vollständiger name: "thomas oliver seifert". am abend dieses tages, beschloss ihn sein vater direkt nach dem abendessen auf die straße zu setzen. "sie zu, dass du dein leben auf die reihe bekommst", sagte er mit einer zornigen, jedoch wehmütigen stimme. er flog im hohen bogen raus. seine mutter weinte, und machte deutlich, dass sie sehr enttäuscht von ihm sei. damals hatte thomas keine ahnung, wie es weitergehen sollte. die erste zeit, wohnte er bei einem guten kumpel, mit welchem er hier und da immerwieder mal etwas gras auf der straße verkaufte, um über die runden zu kommen. das war damals sein einziger halt. drogen und freunde.
frank war unternehmer, und seine frau maria war besitzerin eines nagelstudios. sie führten ein dekadentes leben, ihr meistes geld floss in thomas ́s jüngeren bruder moritz. moritz war erst 15, und somit der nachkömmling. beide elternteile waren schon über 40, als er zur welt kam. er besuchte die staatliche realschule, und strebte eine elektrikerlehre an. er wurde von den eltern von allen seiten verhätschelt. er schwänzte häufig den unterricht, behauptete, er sei krank, und spielte stattdessen den ganzen tag videospiele. er war nicht sehr beliebt in seiner klasse, und seine wenigen sozialen kontakte, pflegte er im internet. statt ihn vor die wahl zu stellen, belohnten ihn die beiden noch für
sein verhalten. möglicherweise versuchten sie bei ihm all das gut zu machen, was sie bei thomas verbockt hatten.
thomas hatte vor ein paar tagen erst seinen 29. geburtstag gefeiert. seine eltern kamen nicht, versprachen jedoch am großen weihnachtsessen teilzunehmen, zu dem thomas geladen hatte. er freute sich schon seit wochen auf diesen abend, und hatte sich extra einen frischen anzug besorgt.
dies war eine sache, die in ihm steckte... ich muss meinen vater beeindrucken... ich muss machen, dass er stolz auf mich ist. die alltägliche garderobe gehörte zu den wichtigsten aspekten in herrn seiferts leben.
auch die mutter achtete stets auf ihr äußeres. sie nannte ihn einmal einen "verlausten penner", als sie einmal zu unangekündigtem besuch erschienen war, und er lediglich in boxershorts und bademantel die tür öffnete. eigentlich hatte er gehofft, dass seine große liebe jessica zu ihm zurückkommen würde. die tage zuvor hatte er zu dieser zeit trauernd im bett verbracht und sich von 5 minuten terrine ernährt, sofern er überhaupt einen bissesn runter bekam. das lag jetzt 2 jahre zurück, und er vermisste sie immernoch, als wär sie gestern erst gegangen. sie verlies ihn, da es ihm immer schwerer fiel, seine depression zu vertuschen. "dies ist eine toxische beziehung, und ich kann mir von dir nicht mein leben verbauen lassen", schrie sie ihm im korridor entgegen, schlug die tür hinter sich zu, und fuhr mit quietschenden reifen weg. diese erinnerung quälte ihn immernoch sehr. seine liebe zu jessy hatte nie nachgelassen.
in erinnerungen schwelgend, deckte er den großen esstisch im wohnbereich seiner eigentumswohnung. diese hatte er gekauft, um mit jessica eine familie zu gründen. die 200 quadratmeter waren für ihn natürlich viel zuviel raum. er verlor sich im wahrsten sinne des wortes in den vielen zimmern und dem großen flur.
der boden war aus kirschbaum. er hatte seinen angenehmen geruch nach wie vor nicht verloren. ein müdes lächeln umspielte seine mundwinkel, als er die teller an ihre plätze stellte.
noch wenige stunden, dann würde seine familie samt bruder eintreffen. dies würde ein unvergessliches weihnachtsessen für alle beteiligten werden, da war er sich sicher.
es hatte letze nacht stark zu schneien begonnen, und die fahrt von berlin in den naheliegenden ort falkensee wurde für familienoberhaupt frank zu einer echten herausforderung. "wo ist denn der verfluchte streudienst, wenn man ihn braucht!? wofür zahl ich steuern?!" fluchte er, während er versuchte, das lenkrad, und somit den wagen in der spur zu halten.
seine frau schenkte ihm ein aufmunterndes lächeln. "es ist ja nicht mehr weit". brachte sie hervor. moritz hockte auf der rückbank und daddelte auf seinem handy. manche dinge ändern sich wohl nie, dachte frank. "können wir kurz an einer tankstelle halten? ich muss pinkeln!" quengelte moritz. "du wilslt doch eh nur wieder deinen dreck rauchen", possaunte frank. "lass ihn doch, er muss eben mal". tadelte ihn maria. "na schön..." in der tat war dies der grund, aus welchem moritz eine rast einlegen wollte. als sie an der nächsten raste rausfuhren, schnappte er seinen rucksack und ging auf das sanifair schild zu. er hatte eine konkrete vorstellung eines perfekten weihnachtsessens, und bekifft schmeckte das essen sowieso besser,bzw wurde eventuell etwas erträglicher. sein großer bruder war nun wirklich nicht der beste koch auf diesem planeten. er zückte seinen geldbeutel und schmiss die 70 cent in den dafür vorgesehenen schlitz. er ging durch das drehkreuz und suchte sich eine kabine. "mist... alle belegt". er wartete einen moment und nach einigen minuten wechselte das kleine feld unter dem türknauf von rot auf weis. "na komm schon" plapperte er vor sich hin. ein älterer herr kam heraus und blickte ihn prüfend an. "hast du ein problem, kleiner?!" sie blickten sich einen moment in die augen. irgendetwas kam ihm nicht so ganz geheuer an dem alten mann vor. "willst du sterben"? fragte er leise. "was"!? fragte moritz schockiert. "schon gut... frohe weihnachten, kleiner". der alte mann verschwand aus der tür und moritz wollte eben die kabine betreten, als ein jüngerer mann hinter ihm auftauchte. "mit wem redest du denn da?" wollte dieser wissen. "äääh, mit dem herrn, der eben durch das drehkreuz nach draußen gegangen ist" der mann hinter ihm, machte eine wischbewegung vor seinem gesicht und nannte ihn einen spinner. sind hier denn alle etwas gaga?, fragte er sich als er die kabine betrat, und die tür hinter sich verschloss. er griff in seine tasche, holte seine pfeife heraus und füllte den kopf mit etwas graß, welches er aus einem döschen in seiner hosentasche zog. er zündete die pfeife und nahm einen kräftigen zug. er hiet den rauch sehr lange in seinen lunge, bis er schließlich einen hustanfall bekam. "alles klar da drin" wollte eine stimme an den pissoires wissen. "alles bestens" entgegnete moritz grinsend. er betätigte die spülung und verlies das raststättenklo.
thomas nahm sich die schürze ab und stellte die dampfenden töpfe auf den tisch. jetzt müsste seine familie jeden augenblick eintreffen. er ging zum
wohnzimmerschrank und holte das weihnachtsalbum von elvis hervor. er legte es in den cd spieler. dieses album hatten sie in seiner kindheit beinahe jedes jahr gehört. dieser abend sollte etwas ganz besonderes sein. sonst war er an weihnachten immer bei seinen eltern zu besuch. dieses jahr war es zum ersten mal umgekehrt.
er ging zurück in die am esszimmer angrenzende küche, öffnete die beiden läden der durchreiche und vergewisserte sich tief einatmend, dass alles seinen lauf nahm. auf kerzen als tischdekoration verzichtete er.
20:30 uhr es klopfte an die haustüre. thomas eilte zur türe, legte sein schönstes feiertagslächeln auf und öffnete. das handtuch hing noch über seine schultern. "kommt rein, es ist kalt draußen. das essen ist soweit fertig". seine familie freute sich sehr, ihn zu sehen und voller vorfreude und mit knurrendem magen begaben sie sich in das esszimmer. "kann ich dir noch etwas helfen", fragte seine mutter freundlich. jedoch war für alles gesorgt, und mit einem kopfschütteln verneinte er. sie aßen und erzählten sich alte geschichten. "weißt du noch, thomas... damals, als du beim klauen erwischt wurdest? das war so peinlich für mich... zum glück bist du mittlerweile vernünftig und kannst dir die dinge leisten, die du benötigst." mit einem abfälligen grinsen knuffte sie ihn. "das essen war wirklich gut. nur leider nicht das beste vom besten. für deine eltern hättest du ruhig mal etwas kulinarisch hochwertigeres springen lassen. außerdem riecht es hier etwas seltsam.". lobte und tadelte sein vater in einem satz. das war immer so gewesen. er konnte ihm nie einfach nur ein kompliment machen. der satz musste in jedem falle ein "aber" enthalten. "wisst ihr, ich liebe euch", beteuerte thomas. lethargisch griff er in seine sakkotasche, breachte eine schachtel zigarretten und ein feuerzeug hervor. er klemmte sich die zigarretten zwischen die lippen und entzündete das feuerzeug. "ich liebe euch wirklich..." mit einem knall entzündete sich das im raum gesammelte gas, und das haus zerbarst in unzählige teile. körperteile flogen auf die straße und in den vorgarten. eine riesige druckwelle lies die fenster der umliegenden häuser zersplittern. thomas ́letzer gedanke in irdischer existenz war "frohe weihnachten, ihr grauenhaften häuchler".
ENDE